verwurzelt? rooted in change!
Artists Unlimited
Eine Gruppenausstellung über dynamische Vernetzung. Künstlerinnen: Ieva Saudargaitė Douaihi, Meena Alyassin, Larissa Zauser, Josephine Scheuer. Kuratiert von Lorenza Kaib & Vilma Klingaite. Ausstellungsort: Artists Unlimited Gallery (Bielefeld)
Das Ausstellungsprojekt verwurzelt? rooted in change! fokussiert sich auf Arten der Verbundenheit von Menschen und ihrer Lebenswelt(en) in einer offenen Perspektive. Verwurzelung wird dabei als sozial, kommunikativ und ökologisch gedacht, weniger an einen konkreten Ort gebunden. Der Versuch, sich von der Vorstellung zu lösen, dass Verwurzelung gleichbedeutend mit statischer Verankerung ist, lenkt den Blick auf bewegliche Wurzeln, die sich an vielen Orten und in unterschiedlichen Lebenszusammenhängen bilden und neue Bedeutungen hervorbringen.
Müssen wir uns entwurzelt fühlen, wenn wir an vielen unterschiedlichen Orten zugleich verwurzelt sein können? Kann ein Netzwerk aus Wurzeln zu einem tragenden Geflecht werden?
Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Sparkasse Bielefeld und der Staff Stiftung.
Meena Alyassin setzt sich mit Prozessen der Neuverwurzelung im eigenen Herkunftsland auseinander sowie der Frage, wie eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln möglich sein kann. Die Künstlerin reiste durch verschiedene Regionen des Irak und kehrte dabei an Landschaften und Orte zurück, die eng mit ihrer persönlichen Geschichte und Erinnerung verbunden sind. In der Ausstellung werden die Fotografien der Künstlerin aus einer Serie I know this light gezeigt, die sich mit dem Licht als zentralem Motiv auseinandersetzt. Für sie ist Licht etwas, das bleibt, selbst wenn Orte verschwinden oder sich verändern. Es ist ein Element, das Menschen mit einem Ort verbindet und dort verwurzelt. Zugleich scheint dasselbe Licht über Generationen hinweg und wird so zu einer Form überlieferter Erinnerung, Rückkehr sowie zu einem Mittel, Kontinuität zu schaffen.
Ieva Saudargaitė Douaihi thematisiert die Koexistenz von Orten und Menschen. In der Ausstellung präsentiert die Künstlerin zudem eine neue Klanginstallation Partials, Beirut (2026). Die Installation setzt Klangfragmente frei. Diese akustischen Spuren stammen aus Beirut und reichen von Geräuschen lebender Wesen über Verkehrslärm bis hin zu Klängen von Baustellen und Abrissarbeiten sowie den Geräuschen von Überwachungsdrohnen und Luftangriffen. Die Arbeit versammelt jene Klänge, die den Alltag der Künstlerin vor Ort prägen und begleiten. Gleichzeitig verweist sie auf die besondere Fähigkeit dieser Klänge, Erinnerungen und Zugehörigkeit zu reaktivieren: Auch an anderen Orten können uns diese Geräusche gedanklich an den Ort ihrer Wurzeln zurückführen. Die Installation eröffnet damit einen Raum, in dem Klang als Träger von Erinnerung, Identität und räumlicher Verbundenheit erfahrbar wird.
Durch Josephine Scheuers Arbeit Synched Dreams (2026) wird die nicht existierende Stadt Ascazio durch die Vorstellungskraft der Besuchenden zum Leben erweckt. Mittels Sprache und Klang konstruiert die Künstlerin imaginierte Räume. Die Besuchenden haben die Möglichkeit, den Audioguide sowohl innerhalb der Ausstellung als auch im Rahmen eines Audioguide in der Stadt zu erleben. Dabei entstehen Räume durch Sprache, Erinnerung und individuelle Vorstellungskraft. Mit den Worten der Künstlerin bauen die Zuhörenden ihre eigenen inneren Landschaften auf – eine Form auditiver Choreografie, die befreiend wirkt, da jeder Raum von der jeweiligen Person selbst gestaltet wird. Die Arbeit knüpft unmittelbar an das Thema der Ausstellung an und greift die Idee auf, dass sich jeder Mensch auf eigene Weise durch die Stadt bewegt, sie wahrnimmt und sich in ihr verwurzelt. So werden persönliche Erfahrungen, Erinnerungen und Imaginationen zu einem wesentlichen Bestandteil der räumlichen Erfahrung. Auf der Plakatwand von Artists Unlimited ist mit drawing (2025) eine weitere Arbeit von Scheuer im öffentlichen Raum anzutreffen.
In Larissa Zausers zunächst fotografischer Serie Im Blick der Zirbe (2024 –) richtet sie ihren Blick auf spezifische Orte, die Geborgenheit und Sehnsucht für einzelne Menschen bedeuten. Während ihrer Zeit als Stipendiatin der Cité Internationale des Arts Paris hat sie die Arbeit zum einen in Richtung Bewegtbild weiterentwickelt, zum anderen den Fokus auf den oftmals langsamen Prozess des „Heimischwerdens” verlegt. Sie reflektiert darin ihren eigenen temporären Umzug nach Paris, Gefühle von Fremdsein und das Sich-Aneignen dieser Orte. Ihre Arbeiten untersuchen, wie emotionale Bindungen zwischen Menschen und Orten entstehen und wie diese Beziehungen Verwurzelung erfahrbar machen.
Meena Alyassin ist eine irakisch-kanadische bildende Künstlerin. Seit 2023 ist sie Mitbegründerin und Creative Director des unabhängigen irakischen Kunstmagazins Henna Magazine und engagiert sich dafür, die künstlerischen Stimmen des Irak sichtbar und hörbar zu machen. Zudem arbeitet sie kuratorisch bei der Baghdad Photo Week, der ersten internationalen Fotografie-Messe in Bagdad, die seit 2023 vielfältige visuelle Erzählungen lokaler und globaler Fotograf:innen präsentiert. Zuletzt wurden die Arbeiten von Meena Alyassin in einer Einzelausstellung I know this light in Archives Gallery B2 in Paris (2025) gezeigt.
Ieva Saudargaitė Douaihi studierte Architektur an der Lebanese American University in Byblos und an der École Spéciale d’Architecture in Paris; sie wuchs in Litauen, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Libanon auf. 2022 gründete sie Takeover, einen von Künstler:innen geleiteten Projektraum in Beirut. 2021 war sie Mitbegründerin der Online-Plattform Digital Fountain. Im selben Jahr erhielt sie den Boghossian Foundation Award für Fotografie sowie den ADPP Mentorship Award. Sie ist außerdem Mitglied des libanesischen Fotografie-Kollektivs Collectif ١٢٠٠. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen die Einzelausstellungen Uprooted im Outpost, Norwich, UK (2026) und Mare Nexus bei Circolo, Mailand (2025).
Josephine Scheuer studierte Fotografie an Folkwang Universität der Künste und schloss ihr Meisterschülerstudium bei Prof. Rita McBride an der Kunstakademie 2023 ab. Neben vielfältigen Ausstellunsbeteiligungen in Düsseldorf und Essen zeigte Scheuer ihr Arbeiten außerdem unter anderem im Dortmunder Kunstverein (2024), Kunstmuseum Solingen (2022), Montepulciano (2021), Köln (2018) und Miami (2018).
Larissa Zauser wurde 2025 mit der Auszeichnung gute aussichten – junge deutsche fotografie prämiert. Seit 2023 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Derzeit studiert sie im Masterstudiengang Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. 2017 erhielt sie den Förderpreis für Fotografie der Stadt Graz. Ihre Arbeiten waren bisher vor allem in Deutschland und Österreich zu sehen.